Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust


Die Vereinten Nationen haben anlässlich des 60. Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau in 2005 den 27. Januar als alljährlichen International Holocaust Remembrance Day festgelegt.

Das Aktionsbündnis „Weiden ist bunt“ lädt dazu ein, sich an das beispiellose Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands zu erinnern, das sich auf abgrundtiefem, irrationalem und durch nichts zu rechtfertigendem Judenhass begründet hat. Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ist ein Symbol für das absolut Böse in unserer Zeit. Das einzigartige Auschwitz-Album dokumentiert die Schreckensgeschichte der verschleppten Juden von ihrer Ankunft in der Todesfabrik bis hin zum massenhaften Mord in den Gaskammern.

Der überlebende Elie Wiesel schrieb: „Alle zwei Meter stand ein SS-Mann und hielt seine Maschinenpistole drohend auf uns gerichtet. Hand in Hand folgten wir den anderen. „Männer links raus! Frauen rechts raus!“ Sechs Worte, ruhig und gleichgültig gesprochen, unbewegt. Sechs schlichte, kurze Worte. Den Bruchteil einer Sekunde lang konnte ich meine Mutter und meine Schwester nach rechts heraustreten sehen. Ich sah, wie sie sich entfernten. Ich ging mit meinem Vater, mit den Männern, weiter. Ich wusste nicht, dass ich an dieser Stelle, in diesem Augenblick, meine Mutter und meine Schwester für immer verließ.“

Der folgende Videoclip der Yad-Vashem-Gedenkstätte zeigt das Auschwitz-Album, welches in der Gedenkstätte ausgestellt ist.

https://www.youtube.com/watch?v=Nu76wlEfnNI

Wir möchten den Fokus auch auf die Gegenwart und die Zukunft lenken. In der Zeit des Holocaust und danach fanden Juden auf der ganzen Welt Zuflucht in einem Land, das ihnen Sicherheit und Frieden verheißen sollte: Israel. Dieses kleine Land ist tagtäglich von hasserfüllten Feinden bedroht und schafft es dennoch, seinen Bürgerinnen und Bürgern unabhängig von ihrer Herkunft und von ihrem Glauben eine wunderbare Perspektive für sich und kommende Generationen zu bieten. So wichtig die Erinnerung an die schreckliche Geschichte ist, so wichtig ist auch die Solidarität mit Israel und den Juden auf der ganzen Welt.

Veit Wagner | Nico Erhardt | Ewald Zenger

Antisemitismus: Bürger auf die Straße

Eine Grundschülerin wird gemobbt, weil sie aus einer jüdischen Familie kommt. Ein Mann wird verprügelt, weil er eine Kippa trägt. Eine Gedenkstätte wird beschmiert, weil sie an das Leid der Juden erinnert. Das sind Ereignisse aus jüngster Zeit, die ein Schlaglicht auf den Antisemitismus hierzulande werfen.

Es sind Ereignisse, die zeigen, warum es richtig und wichtig ist, wenn Menschen sich zusammentun, um in einigen deutschen Städten gegen Judenhass zu demonstrieren – Menschen jüdischen, christlichen, muslimischen oder gar keinen Glaubens; Menschen, die sich hinter dem Motto „Berlin trägt Kippa“ versammeln, die nicht hinnehmen wollen, dass Juden angegriffen werden, weil sie Juden sind; Menschen, die eine Situation beklemmend finden, in der es Gründe für die Diskussion darüber gibt, ob Männer auf der Straße ihre Kippa tragen sollten, wovon der Präsident des Zentralrats der Juden abrät. Gewiss, Politiker hatten die antisemitischen Attacken verurteilt. Aber es reicht nicht, wenn nur der Staat das Signal aussendet, dass er keinen Antisemitismus duldet. Dieses Zeichen muss auch aus der Gesellschaft kommen; von Bürgern, die klar machen, dass sie Judenfeindlichkeit für unerträglich halten, ganz gleich, ob sie von Deutschen oder von Zuwanderern ausgeht.

Text von und mit freundlicher Genehmigung von Ferdos Forudastan (Süddeutsche Zeitung)